Während und nach einer Operation bzw. kritischen Intervention – wie etwa einer Bronchoskopie, Magen- oder Darmspiegelung oder einem Herzkatheter – werden die Vitalzeichen von Patientinnen und Patienten kontinuierlich überwacht. Die Lindenhofgruppe setzt dazu auf ein neues System. Welche Vorteile bringt es? Das erklären der Projektleiter Caspar Breitenstein und die Pflegefachfrau Yvonne Seiffert.
Frau Seiffert, Sie arbeiten auf der Intensivstation. Welche Vitalzeichen überwachen Sie bei den Patientinnen und Patienten?
Seiffert: Die Überwachung der Vitalzeichen kann – wie es der Name besagt – für die Patientinnen und Patienten überlebenswichtig sein. Deshalb kontrollieren wir eine Vielzahl an Werten. Dazu gehören die Herzfrequenz, der Herzrhythmus, der Blutdruck, die Atemfrequenz oder die Sauerstoffsättigung. Bewegt sich ein Wert ausserhalb der Norm, erhalten wir ein Warnsignal und können sofort reagieren.

Die Lindenhofgruppe hat ein neues System zur Patientenüberwachung eingeführt. Weshalb?
Breitenstein: Die Software des bisherigen Systems hatte das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Ein Upgrade hätte hohe Investitionen in die Hardware erfordert. Deshalb haben wir alternative Systeme evaluiert.
Wurde die Pflege in diese Evaluation einbezogen?
Breitenstein: Ja – aber auch viele weitere Berufsgruppen wie Ärzteschaft, Medizintechnik oder IT-Fachleute. Auf Basis ihrer Ansprüche haben wir ein Kriterienraster erstellt, nach dem die Anbieter bewertet wurden. Die Anbieter konnten ihre Lösungen bei uns präsentieren und wir besuchten Referenzspitäler. Der Prozess dauerte ein halbes Jahr und wurde von einem Soundingboard (beratendes Gremium) begleitet, in dem alle relevanten Berufsgruppen vertreten waren.
Welche waren die zentralen Auswahlkriterien?
Breitenstein: Insgesamt wurden über 100 Anforderungen formuliert, dabei ging es um einzelne Werte, Verbrauchsmaterial oder Netzwerkanbindung. Ein wichtiger Punkt war der Dreisternealarm. Es erkennt unterschiedliche kritische Situationen und sendet entsprechende Signale. So wissen die Teams sofort, ob eine lebensbedrohende Situation vorliegt und sie unmittelbar reagieren müssen oder ob sie einem abweichenden Wert nur erhöhte Aufmerksamkeit schenken müssen. Weiter war uns wichtig, dass jede Abteilung individuelle Patientenprofile und Grenzwerte hinterlegen, unterschiedliche periphere Geräte anschliessen und alle Daten ohne Medienbruch in die Patientenakte übertragen kann. Auch die Cybersicherheit war ein zentrales Kriterium.
Das neue System ist in der Praxis angekommen. Was kann es besser als das alte?
Seiffert: Aus Sicht der Pflege ist das Alarmmanagement ein Mehrwert. Es ermöglicht uns, schneller zu reagieren und unsere Ressourcen gezielter einzusetzen. Wir können mehr unterschiedliche Warnsignale einstellen, was eine differenziertere Überwachung ermöglicht. Sehr hilfreich ist, dass wir neu auf beiden Seiten des Patientenbetts einen Monitor haben, um das System zu steuern. Das erspart uns im Alltag viele Wege von der einen Seite des Betts auf die andere.
Breitenstein: Auch seitens der Informatik gibt es Vorteile. Wir sind nicht mehr auf externe Hardware angewiesen. So können wir Sicherheitslücken schneller schliessen und Updates in deutlich kürzerer Zeit installieren. Früher gab es bei Wartungsarbeiten und Updates immer längere Unterbrüche bei der Zentrale im Stationsbüro – Abteilung für Abteilung musste vorinformiert werden, um sich entsprechend zu organisieren. Heute dauert ein Unterbruch noch eine Minute. Die Überwachung direkt am Bett ist jederzeit möglich.

Bringt das System mehr Patientensicherheit?
Seiffert: Bereits das bisherige Gerät gewährleistete ein hohes Mass an Sicherheit für unsere Patientinnen und Patienten. Das neue System gleicht jedoch einen abweichenden Wert mit korrelierenden Werten ab und plausibilisiert so die Relevanz einer Warnmeldung. Es könnte ja sein, dass nur eine Elektrode oder die Sauerstoffmessung nicht mehr richtig angebracht ist – also keine akute Gefährdung vorliegt.
Auch die schnellen Updates erhöhen die Patientensicherheit, weil die Überwachung nur ganz kurzzeitig aussetzt. Zudem sind wir daran, noch weitere Geräte an das System anzuschliessen, sodass wir diese Daten nicht mehr manuell dokumentieren müssen – eine potenzielle Fehlerquelle fällt damit weg.
Wie wurde die Patientensicherheit in der Einführungsphase gewährleistet?
Breitenstein: Das war – metaphorisch gesprochen – eine Operation am offenen Herzen … (lacht). Wir haben in jeder Abteilung Zeitfenster mit geringer Auslastung ausgesucht. Pro Abteilung brauchten wir rund einen halben bis ganzen Tag. In dieser Zeit liefen teilweise parallel beide Überwachungssysteme. Wo erforderlich, plante die Abteilung mehr Mitarbeitende als üblich vor Ort ein. Über die gesamte Spitalgruppe hinweg dauerte die Einführung weniger als vier Monate. Die Umstellung lief sehr gut.
Sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Seiffert: Wir wurden vom Systemanbieter gut in das neue System eingeführt. Trotzdem ist es wohl so, dass wir noch nicht alle neuen Möglichkeiten voll ausschöpfen, und dazu sind nochmals Schulungen nötig. Insgesamt erlebe ich das System als bedienerfreundlich.
Breitenstein: Was die neuen Möglichkeiten betrifft: Da mussten wir zu Beginn ausloten, was in welcher Abteilung überhaupt zielführend ist.
Wenn Sie das alte mit dem neuen System vergleichen: Was ist der spürbarste Vorteil für die Patientinnen und Patienten?
Seiffert: Die Kabel, die das Monitorzubehör mit dem System verbinden, sind länger. Das gibt den Patientinnen und Patienten deutlich mehr Bewegungsfreiheit.